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Samstag, 11. Oktober 2014

Blogpause oder Blogende? Ich lasse es mal offen.

Es ist nun gut ein Jahr vergangen, seitdem ich angefangen habe, hier zu bloggen. Zu Beginn habe ich noch wöchentlich geschrieben, zwischenzeitlich schaffe ich es mit Müh und Not, alle zwei Wochen einen Text zu kreieren. Da ich voll im Berufsleben stehe und es im Verein einiges zu tun gibt, werde ich diesen Blog für eine Weile – wenn nicht dauerhaft – ruhen lassen.

Zum Abschluss möchte ich noch eine persönliche Bestandsaufnahme meiner momentanen Situation mit euch teilen.  

Ich merke, wie es mir gerade in Zeiten der Hektik schwerfällt, mich an die Regeln zu halten, die ich mir für heuer aufgestellt habe.

Zeitweise quält mich die Angst, bei meinem Bemühen um einen bewussten Konsum, der nach nachhaltigen, gerechten, ökologischen und sozialen Standards erfolgen sollte, nicht authentisch zu sein. Ich koche z.B. nicht gerne und vor allem nicht gut. So ertappe ich mich zwischendurch doch wieder, wie ich in das Kühlregal zu einer Tiefkühlpizza greife. Ich weiß, dass die Zutaten für dieses gute Stück wohl aus aller Welt eingeflogen werden, die Pizza selber in einer Plastikfolie verpackt ist und das Ganze auch nicht wirklich unter „gesundes Essen“ einzustufen ist. Aber es geht halt schnell und es ist so bequem. Zwischendurch kann ich mich dieser Verlockung nicht erwehren und schmeiße das Ding verstohlen in den Einkaufskorb. „Hoffentlich sieht mich niemand“, denke ich mir dann. Genauso ergeht es mir mit anderen „bequemen“ Lebensmitteln.

Oder ich lasse mir den Salat doch wieder in ein Plastiksäckchen stecken, weil ich es vergessen habe, selber eine Verpackung mitzubringen. Mitunter möchte ich auch einfach nicht auffallen und keine Aufmerksamkeit erregen.

Ganz schlimm halte ich es nach wie vor im Büro mit dem Papier. Gerne drucke ich Seiten aus, um es mir besser ansehen zu können. Und in meiner Achtlosigkeit vergesse ich darauf, vor dem Drucken überhaupt zu überprüfen, wie viele Seiten da gedruckt werden. Da kann es dann schon passieren, dass der Drucker 10 Seiten ausspuckt, obwohl ich doch nur die erste davon gebraucht hätte. Der Rest verschwindet meist schnell im Müll.

Hektik, Bequemlichkeit, Unkonzentriertheit, aber auch penible Genauigkeit im Arbeitsleben und die Sorge, was andere über mich denken, sind meine größten Feinde.

Gerade in Zeiten, in denen ich eben unter Termindruck stehe, hört es sich bei mir mit der Achtsamkeit und der Nachhaltigkeit auf.

Wie kann man so glaubwürdig bleiben?

Ehrlich gesagt – ich weiß es nicht.

Für mich ist es tagtäglich ein Spagat zwischen der Arbeit im Verein, dem Schreiben über Themen, bei denen es um das bewusste Konsumieren geht, dem Wissen, worauf ich alles achten sollte auf der einen Seite und meiner eigenen konkreten Realität auf der anderen Seite. Ich bin oft schlampig und unachtsam. Ich verbrauche im Arbeitsalltag Unmengen von Papier, kaufe mir zwischendurch ein neues Kleidungsstück, von dem ich absolut nicht weiß, wo es herkommt, genehmige mir dann wieder eine Tiefkühlpizza oder hau bei einem gemeinsamen Brunch mit Freunden voll rein. Auch auf Diskussionen lasse ich mich meistens nicht ein, wenn ich merke, mich durch meine Meinung zum Außenseiter zu degradieren.

Der Gewissenskonflikt ist mir sehr vertraut. Ich bemühe mich zwar, mich zu verbessern, merke aber oft, andere Menschen sind viel ehrlicher und konsequenter! Ich würde mein Leben so gerne „perfekt“ leben (wie auch immer das aussehen mag), aber leider funktioniert das hinten und vorne nicht. Ich habe meine lebensgeschichtlichen Prägungen, meine Schwierigkeiten, meinen Perfektionismus, meinen Narzissmus, ein geringes Selbstwertgefühl und muss schauen, wie ich mit diesem Paket durch mein Leben gehe.

Und dennoch sind all das keine Gründe, zu resignieren und es einfach bleiben zu lassen.

Jeder einzelne Beitrag von uns ist kostbar und trägt dazu bei, das Leben und die Lebendigkeit auf diesem Planeten zu erhalten. Wenn wir in der Hektik des Alltags nicht die Muße haben, Papier zu sparen, so kann es uns aber in ruhigeren Zeiten gelingen. Wenn es uns in einer unsicheren Umgebung nicht gelingt, den Menschen unsere Meinung zu einem Thema mitzuteilen, so gelingt es häufig innerhalb einer Runde, in der wir uns wohl und wertgeschätzt fühlen.

Viele Dinge im Leben lassen sich zwar nicht ausmerzen, aber sie lassen sich reduzieren. 

Kurzum, ich werde – trotz aller Unzulänglichkeiten  - dranbleiben!

Ich bedanke mich bei allen, die sich die Zeit genommen haben, hier vorbeizuschauen und zu lesen! Ich bin nach wie vor unter whizzy1@gmx.at erreichbar. Für den Verein „Konsumentensolidarität Jetzt“  werde ich weiterhin schreiben.

Und mitunter sporadisch auch hier, mal sehen ;-).

Vergesst nicht, auf unserer Homepage www.consolnow.org vorbeizuschauen! Es handelt sich um ein tolles Projekt und um eine gute Sache!

Liebe Grüße und alles Liebe,

Silke

Donnerstag, 30. Januar 2014

Gruß von Harry

Hallo Silke!
Mir gefällt dein Blog und deine Gedanken. Auch du denkst nach, schwimmst gegen den Strom und läufst nicht mit der Lemmingherde in Richtung Abgrund. Mach weiter so!
Ich werde gerne demnächst einen Artikel schreiben.
Liebe Grüsse, Harry

Samstag, 25. Januar 2014

Silke: Blick in die Zukunft

Vergangenen Mittwoch hatte ich das Vergnügen, den Kabarettisten und Schauspieler Roland Düringer in der Wirtschaft in Dornbirn mit seinem Programm „Wir – Ein Umstand“ live erleben zu dürfen. Vor der Veranstaltung wurde noch ein 5gängiges Dinner aufgetischt, sodass auch die Gaumenfreuden nicht zu kurz kamen! Es war ein schöner, kulinarischer, lustiger, aber auch sehr nachdenklich stimmender Abend.

Roland Düringer, der eigentlich früher als Autofetischist bekannt war und der manchen vielleicht noch in Erinnerung ist durch seine Auftritte in TV und Fernsehen (Hinterholz 8, MA2412, Poppitz, Die Viertelliterklasse), liebt es, zu experimentieren. Nach etlichen Jahren des Überflusses, des Konsums und des Erfolgs, hat er sein Leben recht stark umgekrempelt. Heute ist er auf der Suche nach einem guten Leben und geht immer wieder der Frage nach, was eben dieses für ihn bedeutet. Er sehnt sich nach den 70igern zurück, nach einer Zeit, in der man noch ohne Bankomatkarte bezahlte, mit einem Festnetztelefon – teilweise mit Viereranschluss – auskam, in der man noch kleinere Strecken zurücklegte und die Lebensmittel beim „Greißler“ um die Ecke erstehen konnte. Heutzutage verzichtet er auf sein Handy, auf die Bankomatkarte, auf Zeitungen und Fernsehen, meistens auch auf sein Auto und er wohnt gemeinsam mit seiner Familie in einem 28-m²- Wohnwagen. Und es scheint ihm gutzugehen!

Seine kritischen Ausführungen in seinem aktuellen Programm lassen den aufmerksamen Hörer und Zuseher recht düster in die Zukunft blicken.

Das Geld wird wohl eines Tages gar nichts mehr wert sein und dann wird es wieder auf diejenigen ankommen, die selber etwas produzieren können, zum Beispiel auf die Handwerker und die Bauern. Manager und Marketingexperten werden wohl kaum mehr gefragt sein, wenn es um das Überleben geht. Ich persönlich hoffe nicht, dass es zu Kriegen, Mord und Totschlag aufgrund der immer knapper werdenden Ressourcen kommt. Ich hoffe auf die Vernunft von uns Menschen, ich hoffe darauf, dass wir uns in der Not neu organisieren werden, auf Regionalwährungen zurückgreifen oder wieder zum guten alten Tauschhandel zurückkommen. Not macht erfinderisch, heißt es so schön. Ich hoffe darauf, dass Produkte recycelt werden, dass wir uns wieder auf die Regionalität besinnen und die notwendigen Produkte für das Überleben im Land erstehen können. Ob das funktionieren wird und der Bedarf für alle abgedeckt werden kann, das weiß ich leider gar nicht.

Nur eines ist meiner Meinung nach klar: Die Ära des Überflusses geht unausweichlich dem Ende zu. Wir müssen uns auf eine Postwachstumsökonomie einstimmen, auf eine Wirtschaft, die schrumpft. Es wird neue Werte geben müssen, auch wenn das viele Wirtschaftsbosse nicht hören und nicht glauben wollen. Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung und daraus resultierende Krankheiten, sowie Naturkatastrophen werden uns dazu zwingen, davon bin ich ziemlich stark überzeugt. Dann wird es wohl heißen – wer kann sich gut anpassen und kommt möglichst gut mit den neuen Bedingungen zurecht? Es kann gut sein, dass dies wieder ein Zeitalter für die Hochsensiblen, die Vorausdenker unter uns, sein wird.

Was dann tatsächlich auf uns zukommen wird, wissen wir Gott sei Dank noch nicht. Ich glaube, es macht keinen Sinn, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken, sich mit Konservendosen einzudecken, die 30 Jahre halten und auf das Ende der Welt zu warten. Wichtig erscheint es mir, offen und kreativ zu sein, neue Ansichten auszuprobieren und dass wir uns von niemandem unsere Ideen ausreden lassen. Es braucht starke Persönlichkeiten, die unbeirrt ihren Weg gehen.

Die Zeit, in der wir leben, finde ich spannend!

Mir scheint,
  • dass immer mehr Menschen sich Gedanken über die Zukunft machen, 
  • dass der Trend wieder zum Reparieren und Basteln geht,
  • dass viele Menschen ein Bedürfnis nach einer Entschleunigung und Verlangsamung haben, 
  • dass regionale Produkte wieder an Wert gewinnen, 
  • dass Bus- und Bahnfahren wieder Mode werden usw.
Langsam zeichnet sich meines Erachtens eine Trendumkehr ab. Vielleicht habe ich diesen Eindruck aber nur, weil ich mich immer mehr mit diesen Themen beschäftige und ich meine Sinne jetzt dafür etwas besser geschärft habe.

Ich danke dem Herrn Düringer dafür, dass er seine kritischen, klugen, humorvollen, philosophischen Gedanken mit uns teilt. Auch wenn sein Programm phasenweise recht rauh und brutal daherkommt, und zeitweise nichts für schwache Nerven ist, rüttelt es doch auf. Wer Menschen mit starken Thesen provoziert, regt zum Nachdenken und zum Gedankenaustausch über ein Thema an und bringt so einen wichtigen Nachdenkprozess über schwierige Themen in Gang, die uns dann wiederum helfen, uns weiterzuentwickeln. 

Das Videotagebuch von Herrn Düringer ist unter www.gueltigestimme.at zu finden.

Schaut mal rein und lasst euch inspirieren! Habt eine gute Zeit! 

Samstag, 28. Dezember 2013

Ein persönlicher Jahresrückblick

Das Jahr 2013 geht unweigerlich seinem Ende zu. Während ich ganz ungeduldig auf mein Fairphone warte – eine Ungeduld, die mir wieder die grenzenlose Macht meiner eigenen Bedürfnisse in Erinnerung ruft – möchte ich diese letzten Tage des Jahres nützen, um eine persönliche Rückschau auf die letzten 12 Monate im Hinblick auf mein Konsumverhalten und die Tätigkeiten, die für mich damit in Zusammenhang stehen, zu halten. Ein wenig Selbstbeweihräucherung zum Jahresende sozusagen. Ich entschuldige mich jetzt schon bei allen, die das nervt. Besser nicht weiterlesen, lautet da mein Rat :-). 

Im Dezember 2012 wurde der zweite Konsumkodex auf der Webseite des Vereins veröffentlicht und auch an die Vereinsmitglieder weitergegeben. Meine erste Aufgabe bestand darin, mir den Konsumkodex vorzuknöpfen und mir zu überlegen, was davon ich im Jahr 2013 umsetzen möchte. Ich hatte mir – im Nachhinein betrachtet – die Ziele etwas zu hoch gesteckt. Nicht alle meine persönlichen Ziele wurden erreicht.

Ich habe angefangen, mehr Gemüse zu essen und meinen Fleischkonsum einzuschränken. Das Gemüse habe ich zum Großteil von Vögel Brigitte bezogen. Ich schätze die Naturprodukte in diesem feinen, kleinen, geselligen Laden sehr. Eine herzliche liebevolle Atmosphäre geht von diesem Geschäft aus und ich fand es wunderschön, herauszufinden, dass es den guten alten „Tante-Emma-Laden“ in Götzis wirklich noch gibt. Bei Brigitte und ihrem Team merkt man, dass die Arbeit mit Liebe und Freude verrichtet wird. Außerdem wird sehr stark auf Gemüse aus der Region bzw. in guter Bioqualität geachtet. Für meinen kleinen Haushalt ist es ideal, weil ich dort Gemüse und Obst in bester Qualität in kleinen Mengen einkaufen und auch beim Verpackungsmaterial sparen kann. Weiters finde ich dort immer wieder Pflanzen, die in unserer Region gut gedeihen und die Freude in mein Leben bringen. Brigitte verkauft auch andere Produkte aus der Region, wie Seifen, Geschenkartikel, Nudeln vom Martinshof und vom Sennhof, Öle, Weine, Käse und vieles mehr. Einmal pro Woche schaue ich meistens in dem tollen Geschäft vorbei und decke mich dort mit Obst und Gemüse ein.

Meinen Konsum an exotischen Früchten habe ich leicht eingedämmt. Ich versuche, vermehrt das einzukaufen, was unsere Natur hier hergibt. Oftmals gelingt mir das noch nicht, weil sich meine Bedürfnisse immer noch sehr stark einmischen. 

Auch bei der Bekleidung tue ich mir nach wie vor sehr schwer. Gewisse Artikel konnte ich bei Kleider Grün erstehen,  im Weltladen frage ich immer wieder mal nach Textilien. Bislang habe ich dort leider nichts gefunden. Im Großen und Ganzen habe ich versucht, den Textilkonsum einzuschränken, was mir auch nur bedingt gelungen ist. Es gibt wirklich noch viel Verbesserungspotential!

Weiters ist es mir auch misslungen, meinen Stromverbrauch niedrig zu halten. Die Jahresstromabrechnung hat das Gegenteil zutage gefördert. Etwas zerknirscht musste ich zur Kenntnis nehmen, dass ich in diesem Punkt meine Ziele deutlich verfehlt hatte. Immerhin bin ich auch auf Ökostrom umgestiegen, ein Umstieg, der sehr einfach und unbürokratisch vonstatten ging. Ich kann es jedem nur empfehlen, dies zu machen! 

Im Dezember 2012 habe ich – gemeinsam mit meiner Nichte Anna und meinem Bruder Günther – meinen ersten – und bislang einzigen – Leserbrief veröffentlicht. Wir beklagten uns über die Müllberge am Wegesrand. Red-Bull-Dosen, Styropor- und McDonalds-Verpackungen, Zigarettenschachteln und sonstiger Verpackungsmüll brachte der geschmolzene Schnee in jenen Tagen zu Unmengen an die Oberfläche. Es erschütterte uns, wie wir Menschen mit unserer Natur umgehen und sie als eine Art Abfalleimer missbrauchen. Der kurze Leserbrief zu diesem Thema erschien Ende Dezember 2012 in den VN.

Während des Jahres 2013 hat mein „Aktivismus“ hauptsächlich einfach nur darin bestanden, Veranstaltungshinweise und Texte im Diskussionsforum zu posten. Dieses Forum erscheint mir diese Tage ziemlich leblos. Es tut sich kaum etwas. 

Am 1. März 2013 fand das 2. Forum des Vereins „Konsumentensolidarität Jetzt“ statt. Das Interesse war sehr groß, sehr viele Menschen waren bei diesem Forum dabei und Bertram Martin vom Martinshof hielt einen interessanten und spannenden Vortrag über seine Produkte. 

Ende März 2013 – während der Karwoche – versuchte ich in einem kleinen Selbstexperiment, eine Woche lang auf das Internet weitestgehend zu verzichten. Ich gestattete mir allerdings, meine e-mails zu checken und auf die consolnow Homepage zu gehen. Facebook war tabu. Es fiel mir sehr schwer und stürzte mich in eine kleine persönliche Krise. Ich hatte plötzlich viel Zeit zum Nachdenken und fühlte mich wie auf Entzug. Ich hatte ständig das Gefühl, etwas Wichtiges zu versäumen und irgendwie ausgeschlossen zu sein. Dabei habe ich erkannt, wie stark ich von all diesen Medien eingenommen bin und wie sie mein Leben beeinflussen. Ich hatte Zeit zum Nachdenken und in jener Woche reifte der Wunsch heran, einen Blog zu beginnen. Zu welchem Thema, war mir noch nicht klar, aber das Bedürfnis zu schreiben,  meldete sich in jenen Tagen ganz vehement. Und natürlich hatte ich gar nichts versäumt! Die Welt drehte sich auch während meiner Abwesenheit in Facebook weiter - ein beruhigender Gedanke! 

Im April 2013 habe ich gemeinsam mit einer guten Freundin einen inspirierenden Vortrag von Niko Paech im ORF-Studio in Dornbirn besucht. Seine Idee, nur mehr knapp 20 Stunden pro Woche zu arbeiten und dafür mehr Zeit in Hobbies und gemeinnützige Tätigkeiten zu investieren, hat bei mir Anklang gefunden.

Im Mai fasste ich den Entschluss, beim Photovoltaik-Bürgerbeteiligungsmodell mitzumachen und Anteilsscheine für Solarzellenmodule zu zeichnen. Es macht mir Spaß, sinnvolle Projekte zu unterstützen! 

Zu jener Zeit entschloss ich mich auch dazu, das Fairphone-Projekt zu fördern, in dem ich die Zahlung für ein Smartphone leistete. Fairphone finanzierte sich die Produktion der Telefone durch Vorbestellungen und Vorauszahlungen. Mein Smartphone wurde jetzt im Dezember ausgeliefert und lagert momentan in Deutschland in einem GLS-Depot (Paketdienst). Leider habe ich erst heute erfahren, dass es sich auch bei GLS um einen sehr ausbeuterischen Arbeitgeber handelt. Mit diesem Thema möchte ich mich in einem zukünftigen Eintrag auseinandersetzen. Das Fairphone selber sollte in der kommenden Woche bei mir eintreffen. Ich bin schon neugierig! 

Am 28. Juni 2013 fand das 3. Forum des Vereins statt. Rupert Lorenz  erzählte begeistert von seinem Unternehmen und seinem leckeren Brot! Ich besuchte Rupert daraufhin und brachte sein Brot zu einer Geburtstagsfeier als Mitbringsel mit. Gerne würde ich öfters sein Brot kaufen, doch leider liegt es für mich nicht am Weg. Menschen wie er zeigen uns, wie nachhaltige Produktion möglich ist. Sie zeigen uns, wie’s geht und sind eine große Inspiration!

Am 15. September fand das Biofest in Bregenz statt, bei der auch unser Verein „Konsumentensolidarität Jetzt“ vertreten war. Ich willigte ein, mitzuhelfen und am Nachmittag ein paar Stunden anwesend zu sein. Dies war eine ganz neue Erfahrung für mich, da ich hier auf Menschen zugehen musste, um sie direkt auf unseren Verein aufmerksam zu machen. Das fiel mir ganz schön schwer. Ich ratterte die Informationen zu unserem Verein herunter und war nervös. Dennoch machte es Spaß, mithelfen zu dürfen und wieder interessante Menschen kennen zu lernen.

Meinen Blog habe ich dann Ende September 2013 begonnen.  Meistens weiß ich zum Zeitpunkt des Hinsetzens noch nicht, worüber ich schreiben werde. Das stresst mich manchmal. Aber normalerweise ergibt sich dann doch ein Thema. Manche Einträge finde ich gut, an anderen Tagen bin ich weniger zufrieden. Aber wichtig ist für mich, dass die Arbeit Freude macht!

Am 4. Oktober 2013 fand das 4. Forum unseres Vereins statt. Der Abend war wieder sehr inspirierend und es gab viele Informationen im Bereich Textilien, aber auch eine Idee zur Fallobstverwertung und die Initiative „Bewahrung der Schöpfung“ wurden vorgestellt. Ich schrieb einen Bericht über den Abend, der auf der Webseite des Vereins im Bereich „Intern“ zu finden ist.

Den Oktober haben meine Vereinskollegen und ich damit verbracht, am Konsumkodex für 2014 zu tüfteln und ihn zu erweitern. Wir möchten ihn gerne heuer auf Datenbankbasis aufbereiten, um mehr Übersichtlichkeit zu gewährleisten. Mit der Umsetzung ist 2014 zu rechnen.

Am 8. November 2013 fand dann die erste Generalversammlung des Vereins statt! Ich wurde als Schriftführerin in den Vorstand gewählt und freue mich sehr über diese neue Aufgabe! Mein erstes Protokoll durfte ich bereits verfassen und es hat mir Spaß und Freude bereitet! Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit meinen neuen Kollegen Hubert, Manfred, Helmut, Eva und Harry und bin gespannt darauf, was das Jahr 2014 bringen mag!

Das Jahr ließen wir dann mit dem Menschenrechtstag ausklingen.

Es war ein gutes Jahr und ich bin dankbar dafür! 

Mal sehen, was 2014 an Lebendigkeit für uns bereithalten wird! Möge es ein gutes, inspirierendes Jahr werden! Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch!

Sonntag, 22. Dezember 2013

Weihnachten

Es ist wieder soweit: Wir feiern den 4. Advent und Weihnachten steht buchstäblich vor der Tür. Mir ist es in den letzten 2 Wochen gelungen, den Weihnachtsstress fernzuhalten und dem Ganzen eher gelassen entgegenzublicken. Na ja, für meine Verhältnisse „gelassen“. Wer mich kennt, weiß, dass ich kein wirklich gelassener Mensch bin. Als Frau, die sich als hochsensibel bezeichnet, gehört das „mich Verkopfen“  und der kritische Blick in die Zukunft zu meiner Spezialdisziplin. Darin bin ich wirklich gut, auch wenn es das Leben nicht immer einfacher macht.

In hektischen, unsicheren Zeiten wie diesen möchte ich mal innehalten und mich fragen, was Weihnachten für mich eigentlich bedeutet. Was bedeutet Weihnachten neben Familienzusammenkünften, Christbaum, Schenken, reichhaltigem Essen, Weihnachtskeksen sonst noch und zwar auf einer ganz persönlichen Ebene? Das scheint mir eine schwierige Frage zu sein, denn irgendwie ist mir die Bedeutung im ganzen Gewusel der heutigen Hektik und in der Kommerzialisierung des Festes verlorengegangen. Ganz abgesehen davon, dass ich kein sehr religiöser Mensch bin und ich mich mit der Bibel nie befasst habe.

Ich glaube, Weihnachten bedeutet für mich ein „zur Ruhe kommen“, ein „Innehalten“, ein „Reflektieren“ und Nachdenken über das, was mir in meinem bisherigen Leben so alles widerfahren ist. Weihnachten ist auch die Zeit, um zurückzublicken auf das abgelaufene Jahr. Und ganz wichtig: Weihnachten bedeutet für mich, „Danke“ zu sagen, für alles, was ich habe.

  • Danke dafür, dass ich gesund bin und mir nichts weh tut.
  • Danke dafür, dass ich genug zu essen habe.
  • Danke dafür, dass ich eine warme Wohnung habe, in der ich es mir gemütlich einrichten kann.
  • Danke dafür, dass ich eine Familie habe und Menschen, denen mein Wohlergehen am Herzen liegt.
  • Danke für meine Patenkinder, Nichten und Neffen, die mich mit ihrem Blick auf die Welt immer wieder zum Staunen bringen und mein Herz berühren.
  • Danke dafür, dass ich wunderbare Freunde habe!
  • Danke dafür, dass ich in eine – noch intakte – Natur eingebettet bin und Teil davon sein darf.
  • Danke dafür, dass ich Menschen um mich habe, die mich zum Nachdenken anregen, die bereit sind, nicht die Augen zu verschließen vor dem, was nicht so gut läuft.
  • Danke dafür, dass ich Luft zum Atmen habe, denn ohne den Sauerstoff gäbe es hier kein Leben für mich.
  • Danke dafür, dass jeden Morgen die Sonne auf- und abends wieder untergeht, und somit für eine gewisse Regelmäßigkeit sorgt, die Stabilität und Sicherheit gibt.
  • Danke dafür, dass ich in Freiheit leben darf und meine Meinung äußern kann, ohne dafür verfolgt zu werden.
  • Danke dafür, dass ich mit tollen, liebenswerten Menschen zusammenarbeiten darf, sei es in meinem Brotberuf, aber auch im Zuge unserer Vereinstätigkeit.
  • Danke dafür, dass mein Körper weiß, was er zu tun hat, ohne dass ich darüber nachdenken muss. Dies erscheint mir sowieso wie ein großes Wunder.
  • Danke dafür, dass ich einen Geist habe zum Nachdenken, zum Hinterfragen und zum Reflektieren.
  • Danke dafür, dass ich in diesem Land Anspruch auf unzählige Sozialleistungen habe, die mir den einfachen Zugang zu Ärzten und sonstigen Sozialeinrichtungen erlauben.
  • Danke dafür, dass ich laufen gehen und den Wind auf der Haut spüren darf.
  • Danke dafür, dass ich so bin, wie ich bin. 

Die Liste ließe sich sicherlich noch lange fortführen. Ich denke, es ist wichtig, für die kleinen Dinge zu danken, für die Dinge, die einem selbstverständlich und ganz normal erscheinen. Aber vieles ist ganz und gar nicht selbstverständlich.

Es gibt viele Menschen, die krank sind und nicht das tun können, was sie gerne tun würden. Es gibt auch viele Menschen, die verfolgt werden, die eingesperrt sind und/oder ausgebeutet werden. Und Menschen, die hier in Österreich Schutz und Asyl suchen, aber denen die Gefahr droht, abgeschoben zu werden in ein Land, wo ihre Rechte mit Füßen getreten werden. Es gibt sehr viele Menschen, die in bitterer Armut leben und solche, die über 60 Stunden in der Woche auf ausbeuterische Weise arbeiten müssen, um unsere Bedürfnisse befriedigen zu können (ich denke da unter anderem an die Elektronik- und die Bekleidungsindustrie).

Hier stellt sich für mich immer die Frage, wo bin ich machtlos und wo kann ich unter Umständen kleine Schritte setzen, um die Situation ein wenig zu verbessern. Kranken Menschen können Besuche abgestattet werden, um sie vielleicht ein wenig aufzumuntern, um sie vielleicht zum Lachen zu bringen oder um einfach da zu sein und zuzuhören. Oder um zu kochen bzw. Erledigungen für sie durchzuführen.

Für verfolgte Menschen können Briefe an Regierungen geschrieben werden, damit diese Menschen nicht in Vergessenheit geraten. Ein Brief bewirkt in der Regel nicht allzuviel, aber tausende und abertausende von Briefen können sehr wohl etwas bewirken. Hier bin ich dankbar dafür, dass es Organisationen wie amnesty international oder Greenpeace gibt, die viele Kräfte bündeln und sehr viele Menschen in Bewegung setzen können.

Für asylsuchende Menschen geht es darum, Beistand zu leisten, ihre Geschichte in die Medien zu bringen, um so Druck auf die österreichischen Behörden auszuüben. Denn auch hierzulande gibt es leider Menschenrechtsverletzungen, nicht nur in fernen Ländern. Und überall dort, wo niemand hinschaut, können Rechte besonders leicht, still und heimlich verletzt werden. Dies gilt auch bei Gewalttätigkeiten im Familienbereich. Überall dort, wo die Augen verschlossen werden und niemand reagiert, kann großes Unrecht geschehen.

Den Menschen in Armut kann mit Spenden aus dem Gröbsten geholfen werden, mit Unterstützung, Geschenken und mit der Vermittlung von Arbeit. Organisationen wie „Tischlein Deck Dich“ leisten in diesem Bereich Großartiges! Ärmere Menschen bräuchten meines Erachtens auch Steuererleichterungen, damit sie sich wenigstens das Nötigste leisten können. Ich bin jedenfalls für eine Art Vermögenssteuer … Steuern sollen meiner Meinung nach vermehrt die Menschen zahlen, die auch genug haben. Oftmals sind aber grad diese Menschen die, die am meisten jammern und sich am besten gegen das Steuerzahlen wehren können. Es sind oft die Menschen, die immer einen Weg finden, ihr Kapital möglichst steuerschonend zur Seite zu schaffen. Als ob sie sich dadurch Glück erkaufen könnten.

Und den Menschen, die über 60 Stunden und mehr pro Woche für einen Niedrigstlohn schuften, um unsere großen Bedürfnisse zu befriedigen, kann geholfen werden, indem wir uns für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen stark machen. Und desweiteren auch, indem wir Produkte von Firmen, die ihre Mitarbeiter unmenschlich behandeln, nicht mehr kaufen. Nur so können wir diese Konzerne unter Druck setzen und sie zwingen, die Situation zu verbessern. Geld und Umsatz ist das Einzige, was diese Konzerne verstehen.

Jedenfalls gibt es viele Wege, wie Veränderung herbeigeführt werden kann. Nur, wir müssen uns bewegen, um etwas zu bewegen, von nichts kommt nichts. Mögen es noch so kleine Schritte sein, jeder Schritt in die richtige Richtung ist wichtig!

Ich wünsche euch ein frohes, besinnliches, entspanntes Weihnachtsfest und vor allem Zeit, um die Seele baumeln zu lassen!!!

Alles Liebe,

Silke

Montag, 25. November 2013

Vorweihnachtszeit

Wie habt ihr es so mit Weihnachten? Als Kind empfand ich die Vorweihnachtszeit als die kostbarste Zeit! Meine Mutter bastelte jedes Jahr einen Adventskranz und jeweils am Sonntagabend wurde die nächste Kerze angezündet. Manchmal saßen wir beisammen, lasen Geschichten, wir Kinder haben geflötet. Ich war in freudiger Erwartung und konnte mich langsam auf die besinnliche Zeit einstimmen. Ich habe diese Zeit sehr geliebt! 

Heute, rund 30 Jahre später, haben sich für mich die Dinge gewandelt. Es geht mir alles viel zu schnell! Von einem Tag auf den anderen scheint sich plötzlich alles nur noch um Weihnachten zu drehen. Weihnachtsmärkte, wo man hinschaut, Geschenke organisieren und die Nerven liegen mitunter blank aufgrund der umfangreichen Vorbereitungen. Auch die Aussicht auf die Festlichkeiten stimmt mich nicht mehr sonderlich fröhlich. Hektik und Kaufrausch, wohin man auch blickt.

Ich verspüre eine Sehnsucht danach, die Vorweihnachtszeit wieder mehr zu genießen und die Zeit zu nützen, um zur Ruhe zu kommen, eine Kerze anzuzünden, Nüsse zu knacken, Mandarinen zu essen, auf der Couch herum zu lümmeln, schöne, mitunter besinnliche, Musik zu hören, auf ein Weihnachtskonzert zu gehen und einen Tee oder Glühwein zu trinken. Ich würde gerne die Zeit anhalten können, um innezuhalten und mal richtig tief durchzuatmen.

Ich vermute mal, dass wir Menschen uns – vor allem auch noch verstärkt in der Vorweihnachtszeit - zu viel aufhalsen, Kekse backen, eine tolle Weihnachtsdekoration finden, Weihnachtskarten und e-mails schreiben und möglichst alles perfekt vorausplanen. Diese Dinge sind alle schön, so lange man Spaß daran hat und sie nicht in zu großen Stress ausarten. Dann geht es in der Vorweihnachtszeit bei vielen darum, Geschenke zu finden, am besten für jeden das Passende! Der Druck ist mitunter groß, denn man will niemanden enttäuschen. Als knauserig will man auch nicht gelten. Aber irgendwie scheint doch fast jeder schon alles zu haben, so ein Mist …

Wie wäre es damit, Zeit zu schenken? Gemeinsame Zeit ist wohl das kostbarste Gut! Man könnte einen gemeinsamen Ausflug planen oder ein gemütliches Frühstück in einem ruhigen Gasthaus. Wie wäre es mit einem Kabarettbesuch und mal wieder gemeinsam herzhaft zu lachen? Wie wäre es, sich Zeit zu nehmen, um mit den Kindern rodeln zu gehen oder einen Schneemann zu bauen (sofern denn Schnee da ist)?

Eine weitere Möglichkeit erscheint mir, auf Geschenke zu verzichten und stattdessen Geld für einen karikativen Zweck zu spenden. Da wir Menschen hier eh schon sehr stark auf Kosten der Menschen in Entwicklungsländern leben, wäre es doch eine schöne Sache, das Geld, das sonst üblicherweise in Weihnachtsgeschenke investiert wird, in ein Entwicklungsprojekt zu stecken und Menschen z.B. in Afrika oder Asien zu unterstützen. Wem das nicht zusagt, der kann das Geld auch gerne hier für karikative Zwecke spenden – z.B. für Licht ins Dunkel, das SOS Kinderdorf oder für sonst eine wohltätige Organisation.
Je mehr ich darüber nachdenke, desto schwerer tue ich mir mit dem Gedanken, Geld in Konsumgüter zu stecken, die der Beschenkte oft eh nicht brauchen kann. Das macht doch keinen Sinn, abgesehen davon, das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen.

Müssen wir wirklich Konsumgüter schenken, um zu zeigen, dass wir eine andere Person schätzen? Ich spreche jetzt nicht von den gewünschten und benötigten Gütern. Ich spreche auch nicht von Familien, die in der Nähe der Armutsgrenze leben und sich genau überlegen müssen, wofür sie ihre Euros ausgeben. Stattdessen schreibe ich von den Wohlhabenden unter uns, die sich glücklich schätzen dürfen, keine Geldsorgen zu haben. Ich meine die überflüssigen Dinge, die einfach geschenkt werden, damit etwas geschenkt wird und man nicht blöd dasteht.

Es gibt viel wertvollere Geschenke und Gesten, die wir schenken können. Es geht um ein freundliches Wort, ein Lächeln, eine Umarmung, ein offenes Ohr, Verständnis, ein gutes Gespräch, Wertschätzung, Dankbarkeit und Liebe. Es geht um Ehrlichkeit, der Abwendung vom Perfektionismus, Gelassenheit und Geduld mit sich selber und den anderen Menschen. Es geht um die möglichst wertfreie Betrachtung unserer Mitmenschen. Es geht darum, den anderen so anzunehmen, wie er ist, selbst wenn seine Lebensweise komplett gegensätzlich ist zu unserer eigenen. So lange diese Lebensweise von Rücksicht geprägt ist und damit möglichst kein anderer zu Schaden kommt, gibt es doch eigentlich keinen Grund, daran herumzunörgeln. Was uns an anderen am meisten stört, sind oft die Eigenschaften, mit denen wir selber in uns keinen Frieden schließen können. Verhaltensweisen, die wir uns selber verbieten, aber dennoch ab und zu tun.

Was fühlt sich besser an? Den neuesten LED-Fernseher einzuschalten oder vermittelt zu bekommen, dass man geliebt und geachtet wird? Das neue Ipad oder die von Herzen kommenden Worte zu hören: „Ich finde Dich super und bin dankbar dafür, dass es Dich gibt“?

Meiner Wahrnehmung nach (die immer subjektiv ist) sind wir hier oft reich an materiellen Werten, aber manchmal arm an Selbstvertrauen und Wertschätzung. Wir tun uns oft schwer mit Nächstenliebe, weil wir uns auch schwertun, uns selber wertzuschätzen und so anzunehmen, wie wir sind.

Wir könnten uns darin üben, uns auf das Wesentliche besinnen und das Überflüssige wegzulassen.  Ich tue mir auch schwer damit, denke mir aber, dass es gut ist, sich dessen bewusst zu sein und hin und wieder bewusst die Entscheidung für mehr Einfachheit zu treffen. Ich glaube, damit tun wir sowohl uns selbst, als auch unseren Mitmenschen und der Natur einen sehr wertvollen und kostbaren Dienst.

Ich wünsche euch eine schöne, freudvolle, entspannte Vorweihnachtszeit! 

Freitag, 27. September 2013

Ein Anfang

Hallo zusammen!

Ich stelle mich kurz vor: Ich heiße Silke, schreibe gerne und habe mir vorgenommen, in „unregelmäßigen“ Abständen über das Thema „Bewusster Konsum“ zu schreiben. Mein Konzept ist es, eine Alltagserfahrung aus der Fülle der Beobachtungen, die ich in meinem Leben so mache, herauszupicken und zu diesem Thema meine Gedanken nieder zu schreiben. Das Thema „bewusster Konsum“ ist mir deshalb so wichtig, weil ich gerne über den eigenen Tellerrand blicke, dazu tendiere, vieles zu hinterfragen, weil mir der Klimawandel Sorgen bereitet und ich auch über die vielen Missstände in dieser Welt schockiert bin, vor allem, wenn es um menschliche Ungerechtigkeiten und die Ausbeutung der Natur geht.

Alles ist mit allem verbunden. Das zu begreifen, erscheint mir sehr wichtig. Auch wenn das dramatisch klingt – mit jeder Entscheidung, die wir in unserem Leben treffen, drehen wir an verschiedenen Knöpfen, die wiederum Einfluss auf andere Menschen und Lebewesen, unsere Umwelt und unser Klima haben.

Anhand eines Beispieles erklärt:

Das superbillige T-Shirt, welches man beim Modediskonter um einen Schnäppchenpreis erwirbt, musste irgendwo irgendwie hergestellt werden. Tendiert man jetzt aber dazu, eben über diesen besagten Tellerrand zu blicken, stellen sich Fragen wie:

  • Woher stammt dieses Kleidungsstück?
  • Was wurden für Stoffe verwendet?
  • Wie wurden diese gewonnen?
  • Wo wurde das T-Shirt genäht?
  • Wer hat es genäht?
  • Wurde die Näherin (meistens handelt es sich in diesen Fällen um Frauen) gerecht entlohnt?
  • Ist es überhaupt möglich, dass so eine Näherin einen gerechten Lohn erhält, wenn das T-Shirt nur knappe EUR 4,99 kostet?
  • Welchen Transportweg hat das Kleidungsstück hinter sich?

Überlegt man sich all diese Fragen, bemerkt man, dass irgendwas faul sein muss, an der ganzen Sache. Wenn ich mich also zum Kauf dieses Schnäppchens entscheide, entscheide ich mich auch für Ausbeutung, Korruption, schwierige Arbeitsbedingungen und Niedrigstlöhne. Und ich entscheide mich für lange Transportwege (die Baumwolle kommt mitunter aus den USA und wurde unter regem Einsatz von Pestiziden hergestellt, produziert wird in Bangladesch und verkauft wird in Österreich). Aber selbst bei Hosen um die EUR 70,--, fallen mitunter für die Näherin in Bangladesch gerade mal 50 bis 70 Cent ab, den Rest streifen die großen Modeketten ein.

Entschließe ich mich dazu, „NEIN“ zu solchen Methoden zu sagen, habe ich einen schweren Stand. Es bedeutet, dass ich mich informieren muss. Und das fühlt sich an wie das Durchstreifen eines Dschungels, die Machenschaften der großen Konzerne sind sehr undurchsichtig. Es mutet wie ein Ding der Unmöglichkeit an, Antworten auf die obigen Fragen zu finden.

Ein Ausweg aus der Misere scheint mir, Synergien zu nützen, dort einzukaufen, wo Produkte von Menschen vertrieben werden, die sich auf den Einkauf von nachhaltig produzierter Ware spezialisiert haben. Eine andere Möglichkeit ist auch, wieder selber zu nähen und die Wege zwischen Produzent und Konsument wieder zu verkürzen. Oder einfach nicht mehr so viel zu brauchen. Muss wirklich auf jeden Trend aufgesprungen werden, braucht es z.B. eine enge Röhrenjeans, nur, weil das heuer gerade „in“ ist? Im nächsten Jahr ist die Hose mitunter schon wieder schrecklich „out“ und ich werfe sie wieder in den Altkleidercontainer. Doch damit hört es nicht auf. Die alten Kleidungsstücke, die hier niemand mehr tragen will, gehen mitunter wieder in Entwicklungsländer zurück, wie z.B. nach Afrika und werden dort oft nicht verschenkt, sondern verkauft. Dort zerstören die Billigprodukte aus dem reichen Europa wieder die lokale Textilwirtschaft, weil es sich nicht mehr rentiert, lokal produzierte Kleidungsstücke zu kaufen.

Es braucht die Näherinnen in Bangladesch, sie sollen ihre Arbeit nicht verlieren, sondern zu guten Bedingungen fair entlohnt werden. Sie sollen endlich die Wertschätzung erfahren, die ihnen zusteht! Aber würde eine Welt nicht auch funktionieren, wenn die Näherinnen für die lokale Bevölkerung produzieren könnte, die Menschen gerecht entlohnt werden würden und sich somit die im eigenen Land produzierten Kleidungsstücke selber leisten könnten?

Und würde unser Leben nicht auch funktionieren, wenn wir wieder Mode aus Österreich kaufen würden und damit unsere lokale Textilwirtschaft wieder ankurbeln würden? Es soll sich wieder rentieren, hier zu produzieren. Dass dafür Rohstoffe wiederum aus anderen Ländern importiert werden müssen, ist mir klar. Aber auch da müsste von den Produzenten darauf geachtet werden, dass diese Rohstoffe aus vertrauenswürdigen Quellen stammen. Ebenso sollte auf kurze Transportwege Rücksicht genommen werden. Mir erscheint es so wichtig, die Kreisläufe wieder zu verkleinern. Denn eines ist klar. Auf so großem Fuß, wie wir jetzt leben, können wir in den nächsten 100 Jahren gar nicht weitermachen, weil die Kapazitäten erschöpft sind – das Öl geht zu Ende, die Erderwärmung nimmt zu, der Meeresspiegel steigt dramatisch an, Dürreperioden und Unwetter bestimmen immer mehr unseren Alltag, um nur ganz wenige Beispiele zu nennen.

Mir ist natürlich bewusst, dass meine Idee von „jeder produziert wieder im eigenen Land“ hinkt, schon allein aufgrund der Tatsache, dass es viele Rohstoffe gibt, die hier einfach nicht vorkommen. Da ist es wichtig, sich zuallererst die Frage zu stellen, brauche ich dieses Produkt wirklich? Wenn ich die Frage mit einem „Ja“ beantworte, lautet die nächste Frage: Habe ich die Möglichkeit, dieses Produkt aus Quellen zu beziehen, wo auf nachhaltige Produktion (Produktion ohne Ausbeutung von Menschen, zu möglichst umweltfreundlichen Bedingungen, zu einem fairen Preis) Wert gelegt wird? Ich weiß, man kann nicht alles bis auf das kleinste Detail prüfen, am Ende gehört auch ein Stück weit Vertrauen dazu, sich für ein Produkt zu entscheiden. Aber es gibt Möglichkeiten, Strategien und Wege, der sogenannte Weg des bewussten Konsums. Es geht weder um Selbstkasteiung noch um Perfektionismus. Eines muss jedem Einzelnen klar sein: Die Welt und das Leben wird nie perfekt sein. Es gibt keine perfekten Entscheidungen, aber es gibt die Entscheidungen, die das Leben, die Lebendigkeit, den Zusammenhalt und die Freude fördern. Mich auf die Suche nach diesen Entscheidungen zu machen, ist meine Mission und der Motor hinter meinem Tun.

Über all diese Dinge, die neuen Erfahrungen, aber auch die Rückschläge, die Aufreger, die Freuden und Leiden möchte ich gerne ab und an berichten. Dazu dient dieser Blog. Ein Anfang ist hiermit gemacht. Nun heißt es „dranbleiben“.