Sonntag, 24. August 2014

Vorschau auf den Herbst und Literaturtipps

So, gefühlsmäßig ist der Sommer für mich nun vorbei (für viele war er aufgrund der Wetterkapriolen gar nie da). Es beginnen die Vorbereitungen für die Herbstveranstaltungen unseres Vereins „Konsumentensolidarität – JETZT“. Da wird einiges los sein. Vor allem die Woche vom 8.9. – 14.9.2014 ist mit Veranstaltungen gespickt. Am 11. September 2014 findet eine Exkursion zur Firma Uni Sapon statt (siehe http://www.bewusster-konsum.blogspot.co.at/2014/06/bericht-vom-6-forum-konsumentensolidari.html - um mehr über Uni Sapon zu erfahren), für den  12. September 2014 organisiert Hubert einen Ausflug mit Führung zum „Biobauernhof“ von Armin Rauch in Dünserberg und am 14. September 2014 sind wir auf dem Biofest in Bregenz vertreten. Die Termine mit Infos und Anmeldemöglichkeiten findet ihr unter http://consolnow.org/aktuelles/. Ich bin am 14.9. dabei beim Biofest und würde mich über euren Besuch freuen!!! Wenn jemand Lust hat, mitzuhelfen, ist das noch besser!!! Bitte meldet euch dann einfach bei mir unter whizzy1@gmx.at oder bei Hubert unter hubert.feurstein@consolnow.org .

Zu gegebenem Zeitpunkt werde ich euch bestimmt berichten, wie der Tag gelaufen ist.

Zwei interessante Bücher habe ich in den letzten Wochen noch gelesen. Zum einen war das „Was kostet die Welt“ von Raj Patel und zum anderen „Grüne Lügen“ von Friedrich Schmidt-Bleek. Das Buch von Raj Patel widmete sich der Frage, wie denn heutzutage die Preise für ein Wirtschaftsgut festgelegt werden, und es kritisierte sehr stark den unstillbaren Hunger nach Profit, sowie das System der freien Marktwirtschaft. 

Aufgerüttelt hat mich das Zitat:

„Die Regierungen machten die Exzesse der Finanzwelt erst möglich, indem sie versprachen, im Notfall die Scherben zusammenzukehren. Und sie hielten Wort. Als das System unter den Wetten der Banker zusammenbrach, blieben die Einnahmen aus riskanten Geschäften unangetastet. Die Profite wurden privatisiert, die Risiken dagegen verstaatlicht. Der Reichtum der Banker kam dem Rest der Welt teuer zu stehen, und trotzdem feierten die besten Hedgefonds –Manager 2009 das drittbeste Jahr aller Zeiten“.

Dieses System, dass Regierungen notfalls die Scherben zusammenkehren, gilt meines Erachtens genauso für Österreich. Man denke nur an die Hypo-Alpe-Adria Misere. Die, die uns das alles eingebrockt haben, kommen unbeschadet davon, während die Kosten auf die Steuerzahler umgewälzt werden. Die Bevölkerung zahlt für die Sünden der Banker. 

Oder das Beispiel McDonalds (ebenfalls aus dem Buch von Raj Patel entnommen):

„Wenn McDonalds den Ausstoß schädlicher Gase wie CO2 verursachen kann, ohne dafür zu bezahlen, dann sind offensichtlich die Kosten, die der Gesellschaft insgesamt entstehen, nicht gedeckt. Einer Schätzung zufolge verschlingt die Produktion der 550 Mio. BigMacs, die in den USA pro Jahr verkauft werden, 297 Mio. Dollar an Energiekosten, was etwa 1 Mio. Tonnen CO2 entspricht. Dazu müsste man noch die Folgen für die Umwelt, wie Wasserverbrauch und Bodendegradation rechnen, sowie die versteckten Kosten für die Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten, wie Diabetes und Herzerkrankungen. Keiner dieser Posten taucht auf Ihrer Rechnung auf, wenn Sie einen BigMac kaufen, und doch muss sie irgendjemand bezahlen. Sie werden eben nicht vom McDonalds-Konzern getragen, sondern von der Gesellschaft insgesamt, denn für die Kosten von Umweltkatastrophen, verstärkten Wanderungsbewegungen im Zuge des Klimawandels und der Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten kommen wir letztlich auf“, schreibt Raj Patel.

Und so läuft es überall. Die Global Player verwüsten unsere Umwelt, plündern unsere Ressourcen aus, verbauen unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder und müssen dafür aber nicht geradestehen. Mitunter zahlen sie auch kaum Steuern. Ich weiß, ich wettere immer wieder über die "bösen" Konzerne. Ich gebe zu, ich betreibe vereinfachte Schwarz-Weiß-Malerei. Vermutlich kann man nicht alle in einen Topf werfen und es gibt sicherlich bei den Großkonzernen auch solche, die sich für Sozialprojekte und den Umweltschutz einsetzen. Dies begrüße ich sehr. Und doch geht es letztendlich doch allen darum, möglichst viel Profit zu erzielen. Je größer und globaler ein Konzern ist, desto mehr Geld hat er angehäuft und desto mehr ist er meiner Meinung nach vom Gedanken besessen, die Gewinne noch stärker zu erhöhen. So funktioniert nun einmal die freie Marktwirtschaft. "Das Charatkeristische an heutigen Märkten ist, dass der Austausch nicht auf Bedürfnissen beruht, sondern auf Profit abzielt" (Raj Patel). Somit sind die multinationalen Großkonzerne (und ich meine die wirklich Großen wie Nestlé, Monsanto, Kraft, Coca Cola etc. - um mal nur die Nahrungsmittelkonzerne zu nennen) für mich auch diejenigen, die die größte Geldanhäufungsmaschinerie darstellen und dies mit unlauteren Mitteln wie Ausbeutung, Kontrolle, Macht, Menschenrechtsverletzungen etc. erreichen. 

Das alles stinkt doch zum Himmel und doch regt sich kaum jemand auf. In eine ähnliche Kerbe wie Raj Patel schlägt Friedrich Schmidt-Bleek in seinem Buch „Grüne Lügen“. Auch er appelliert für eine Besteuerung der externen Kosten, sprich, es sollte eine Ressourcensteuer eingeführt werden. Je seltener der Rohstoff, je höher die Kosten für deren Beschaffung, je größer der Energieverbrauch, desto höher sollte die Steuerlast sein. Im Gegenzug sollte die Arbeitsleistung sehr stark von Steuern entlastet werden. Menschliche Leistung sollte billiger werden, dafür sollte der Verbrauch von Ressourcen viel teurer werden.

Mir gefällt die Idee, nur, wie ist das in der Praxis umsetzbar? Wird das nicht furchtbar kompliziert? Hat dann nicht jedes Gut einen eigenen Steuersatz? Wird es dann ähnlich undurchsichtig und kompliziert wie mit den Zöllen? Die jeweils korrekte Zuordnung eines Produktes zur richtigen Zolltarifnummer bereitet mir schon im täglichen Arbeitsleben Kopfweh. 

Und doch muss sich schnellstens etwas ändern, Kosten für Umweltverschmutzung, die Folgen des Klimawandels, Kosten für Ausbeutung müssen unbedingt von den Verursachern – im großen Stil sind das die multinationalen Konzerne – getragen werden!!! Ausbeutung und Zerstörung dürfen sich auch finanziell nicht mehr lohnen!!!

Wir brauchen unbedingt Politiker, die wieder für das Volk arbeiten und nicht den Konzernen in den Allerwertesten kriechen! Wir brauchen Politiker mit Rückgrat, die zusammenhalten, die sich nicht bestechen lassen und hinter denen wir stehen können!!! Und wir sollten versuchen, beim Kauf unserer Produkte auf regionale Quellen auszuweichen, die großen Konzerne zu umgehen, so gut es eben geht. Jeder von uns hat ein kleines bisschen Spielraum, etwas zu verändern. Veränderung beginnt im Kleinen. Tun wir uns aber zusammen, werden wir irgendwann stärker und leiten einen Kurswechsel ein! Ein jeder kann einen Beitrag leisten! Es braucht nur ein wenig guter Wille und Freude am Ausprobieren!

Samstag, 9. August 2014

Führt unser Konsumangebot in die Suchtspirale?

Während meines zweiwöchigen Urlaubs hatte ich endlich mal wieder ausreichend Zeit, um zu lesen. Zusätzlich ist mir auch wieder einmal bewusst geworden, dass ich  mich sehr stark von diversen Medien, allen voran dem Internet ablenken lasse. Ich tendiere dazu, auf sämtliche offene Fragen und Gedanken über Google oder Ecosia eine Antwort zu finden. Dabei wandere ich von einer Webseite zur nächsten, lese und suche und wundere mich dann, dass die Zeit so schnell verrinnt und ich eigentlich nichts gebacken bekomme.

In der Bibliothek in Götzis hat dann das Buch „Junkies wie wir“ von Kurosch Yazdi mein Interesse geweckt. Herr Dr. Yazdi leitet die Suchtabteilung einer Klinik in Linz. In seinem spannenden Buch dreht sich alles um moderne Verhaltenssüchte, wie z.B. Spielsucht, Kaufsucht, Sexsucht, Internetsucht, und es erklärt, warum diese Süchte heutzutage so stark auf dem Vormarsch sind. Gerne möchte ich diese für mich neuen Erkenntnisse hier niederschreiben. 

Zuvor aber noch eine kurze Anmerkung: Wer Pickerl mit der Aufschrift „Bitte keine unadressierte Werbung“ für den Briefkasten sucht, bekommt diese unter anderem auch in der Bibliothek in Götzis. Es freut mich immer wieder, wenn ich solche kleinen Zeichen der Bewusstmachung in Geschäften, Institutionen, Arztpraxen oder wo auch immer erblicke.Weiters so!

So nun aber zurück zum Thema dieses Eintrags: Die Ursache für die Zunahme der Verhaltenssüchte liegt in einem Verlust von realen und sozialen Beziehungen begründet. Je „beziehungsloser“ wir werden, desto stärker sind wir gefährdet, diesen Wunsch nach Beziehung in Ersatzbefriedigungen wie Internet und Einkaufen auszuleben. Jeder „Gefällt mir“-Klick auf Facebook, die meisten Einkäufe, das Spielen im Internet, führen anfangs zu einem kurzfristigen Dopaminausstoß, der Glücksgefühle auslöst. Unser Gehirn ist darauf programmiert, nach diesen Dopaminausstößen zu lechzen. Dies ist ein ganz normales und natürliches Verhalten. Es soll uns dazu motivieren, beschwerliche Dinge zu tun, die überlebensnotwendig sind.  Früher hat die Knappheit von überlebensnotwendigen Dingen wie z.B. Nahrung dafür gesorgt, dass diese kurzfristigen Dopaminkicks nicht alltäglich waren. Während ich zum Beispiel täglich Schokolade futtere, war es für meinen Vater kurz nach dem Krieg ein seltenes und ganz besonderes Erlebnis, zwischendurch von den Besatzungssoldaten ein Stück davon zu erhalten.

Dazu kommt, dass der Mensch eigentlich in ein Rudel gehört, das heißt, sich einer Gruppe zugehörig fühlen möchte. Früher war dies eine Überlebensstrategie. Ein Steinzeitmensch hätte ohne Unterstützung, Schutz und Hilfe von anderen Menschen nicht überlebt. Den Kontakt zu anderen Menschen zu suchen war genauso wichtig, wie die Suche nach Nahrung. Als Motivation gab es auch dafür Dopaminausstöße.

Inzwischen hat sich die Außenwelt stark verändert, doch dieser menschliche Mechanismus ist derselbe geblieben. Dopamin wird ausgeschüttet, wenn Menschen reale Kontakte pflegen, wenn sie sich begegnen und wertgeschätzt werden, aber auch, wenn Bedürfnisse befriedigt werden, wie die Nahrungsaufnahme oder der Konsum von Waren.

Die findigen Marketingstrategen haben all dies längst erkannt und nutzen dieses Wissen schamlos zu ihren Gunsten. Überall werden wir mit Werbebotschaften bombardiert, die uns das Blaue vom Himmel versprechen.

Bei Facebook wird das Bedürfnis nach sozialen Kontakten auch ganz gefinkelt ausgenützt. Es werden immer wieder neue Features angeboten, Freunde können gesammelt werden, wie andere Leute früher Briefmarken gesammelt haben. Es werden ständig neue Bedürfnisse geschaffen, die durch Facebook befriedigt werden. Den Facebookmachern ist daran gelegen, die Menschen dazu zu animieren, möglichst viel online zu sein. Auch wenn der Zugang zu Facebook kostenlos ist – indem sich Millionen von Menschen auf ihrer Plattform bewegen, können sie Werbeflächen lukrativ an Firmen verkaufen. Facebook ist es möglich, aufgrund des Datenverkehrs die Interessen der Nutzer herauszufinden und ihnen somit gezielt Werbung zukommen zu lassen, die den Bedürfnissen des Nutzers entspricht. Damit sollen die Nutzer wieder gezielt und unkompliziert zum Einkaufen animiert werden. Facebook und andere Plattformen dieser Art erziehen Nutzer gezielt zum Suchtverhalten. Nicht jeder tendiert dazu, süchtig zu werden, aber es ist ratsam, immer wieder selber bewusst hinzuschauen.

Vor allem bei Kindern ist die Gefahr, dass sie in ein Suchtverhalten hineinmanövriert werden, sehr groß. Ihr Belohnungssystem ist bereits voll ausgebildet, während andere Hirnareale, die für Kontrolle zuständig sind, sich erst später entwickeln. Es ist daher besonders dreist, bereits kleine Kinder mit Werbebotschaften zu bombardieren.

Irgendwann ist es dann so weit, dass diese Vielzahl an Dopaminausstößen nicht mehr zu einem Glücksgefühl führen, sondern nur mehr dazu da sind, negative Gefühle zu verhindern. Es gibt genügend Menschen, die Dinge kaufen, nur um des Kicks willen. Sie brauchen diese gar nicht und das Material verrottet mitunter unausgepackt in einer Ecke. Wer dies exzessiv betreibt, wird unweigerlich in die Schuldenfalle tappen.

Das Internet birgt auch noch andere Gefahren bei Kindern. Kürzlich lief auf 3Sat eine erschreckende Dokumentation mit dem Titel „Vom Strampler zu den Strapsen“. Kinder mit unbeschränktem Zugang zum Internet haben heutzutage auch unbeschränkten Zugang zu Pornoseiten. Wer kann schon kontrollieren, was sich Kinder z.B. über Smartphones da ungefiltert alles reinziehen und welche Sicht auf die Welt sie dadurch entwickeln? Es ist offenbar nicht mehr so ungewöhnlich, dass bereits Jugendliche Nacktfotos verschicken, ohne sich der Gefahren dessen bewusst zu sein. Es ist daher immens wichtig, Kinder und Jugendliche über die Gefahren aufzuklären und sie - so gut es eben geht - zu schützen.

All diese Entwicklungen sind massiv begünstigt worden durch diese uneingeschränkte Verfügbarkeit von Produkten, Medien und Verlockungen. Bereits Kinder werden mit Onlinespielen geködert, die darauf abzielen, dass möglichst viel Zeit online zugebracht wird. Nur so ist das Aufsteigen in ein höheres Level möglich. Kinder werden dadurch zu Suchtverhalten erzogen. Meines Erachtens begehen diese Spieleentwickler, sowie auch die Marketingstrategen ein Verbrechen und sollten zur Übernahme von Therapiekosten verpflichtet werden. Ebenso läuft es mit den ganzen Sportwetten-Geschichten, die zum Glücksspiel animieren.

Die Folgen dieser Süchte sind auf den ersten Blick nicht ganz so einfach zu erkennen wie die Folgen von substanzabhängigen Süchten (Alkoholsucht, Heroinsucht etc.). Jedoch ziehen auch Verhaltenssüchte körperliche Schäden nach sich. Menschen, die nicht mehr schlafen, um ihren Süchten nachzugehen. Menschen, die sich tief verschulden, um ihre Kaufsucht oder Glückspielsucht zu befriedigen. Menschen, die nicht mehr auf Körperhygiene achten, weil sie ständig vor dem PC, Smartphone, Tablet oder was auch immer sitzen. Menschen, die auf dem Entwicklungsstadium eines Kindes stehenbleiben, weil sie so durch ihre Sucht vereinnahmt sind. Menschen, die sich für nichts mehr interessieren, sich nicht mehr sozial engagieren, die auch im Wirtschaftsleben nicht mehr zu gebrauchen sind …

Vielleicht ist das alles übertriebene Schwarzmalerei … aber wenn ich z.B. mit dem Zug fahre und kaum einen Jugendlichen mehr sehe, der nicht auf dem Smartphone herumtippt, stimmt mich das nachdenklich.

Eine Ausgewogenheit der Lebensbereiche, eine gute Vorbildwirkung der Eltern, die Einschränkung der ständigen Verfügbarkeit und vor allem Beziehungsfähigkeit, gute reale, soziale Kontakte, sind gute Mechanismen, um sich gegen Verhaltenssüchte zu wappnen.

Wer mehr wissen möchte, dem sei das Buch „Junkies wie wir“ ans Herz gelegt. In der Bibliothek in Götzis kann es ausgeliehen werden. Das Wissen für diesen Eintrag habe ich großteils aus diesem Buch bezogen. 

Sonntag, 27. Juli 2014

Das Kreuz mit dem Aluminium

Heute möchte ich wieder einmal über das Alltagsleben und die Herausforderungen beim bewussten Konsum berichten. Ich komme immer wieder zu dem Ergebnis: Mitunter ist es verdammt schwierig und zäh, möglichst informiert und gut einzukaufen.

In der letzten Zeit hat mich die Suche nach einem aluminiumfreien Deo beschäftigt. Überhaupt stellt mich die Beschaffung von Kosmetikprodukten (Haarshampoo, Deo, Haarspray, Sonnencreme etc.) vor neue Herausforderungen.

Hat überhaupt jemand eine Ahnung, was in den ganzen Mitteln eigentlich drin ist und was diese Inhaltsstoffe alle bedeuten? Ganz zu schweigen davon, woraus und wie sie gewonnen werden?

Nachdem immer mehr darüber geschrieben wird, dass Aluminium schädlich für den menschlichen Organismus sein könnte, dass es auch die Entstehung von Brustkrebs und Alzheimer begünstigen könne, habe ich mich auf die Suche nach einem aluminiumfreien Deo gemacht. Durch einen Blog im Internet erfuhr ich von einem Stein, der – befeuchtet – die Entstehung von unangenehmen Gerüchen unter den Achseln unterbindet, indem das Produkt die Bakterien abtötet. Bei DM hab ich dann hocherfreut so ein Deo (Inhaltsstoff Potassium Alum) gefunden, auf dem auch angeführt ist, dass es frei von Parfum, Alkohol, Farb- und Konservierungsstoffen und chlorierten Aluminiumsalzen sei.

Funktionieren tut es wunderbar. Wenn ich das geruchslose Deo morgens auftrage, hält das den ganzen Tag über, während ich mit anderen Deos ohne Aluminiumsalze teilweise schon nach einem halben Tag stinke.

Doch ist Potassium Alum nicht auch Aluminium? Der Name klingt ja schon so stark nach Alu …

Im Internet scheiden sich zu diesem Thema die Geister. Von Aluminium in konzentrierter Form und "dadurch noch schädlicher" bis zu "völlig ungefährlich" gibt es alle Mutmaßungen zu lesen. Ich war anfangs erst mal sauer auf mich, da ich mich im Vorfeld nicht ausreichend informiert habe. Erst die Internetseite www.aluminium-frei.de hat mich so halbwegs beruhigt. Da steht, Gefahr gehe vor allem von Aluminium in wasserlöslicher Form aus, also in der Form von Ionen und Salzen. Diese Art von Aluminium sei chemisch inert, was bedeute, dass sie kein freies Aluminium abspalten würde. Das läge daran, dass Aluminium nicht aus Naturstoffen wie Mineralien gelöst werden könne.

Kristall-Alaun bleibe auf der Hautoberfläche und wirke antibakteriell, ohne in die Haut einzudringen. Man schwitze weiter, rieche aber nicht unangenehm, heißt es auf einer anderen Internetseite (www.bio-deo.ch).

Nun, dann hoffe ich, dass mein Kristalldeo unschädlich ist. Ganz überzeugt bin ich nicht. Unglaublich, dass es so viel Intransparenz in diesem Bereich gibt und kaum einer wirklich weiß, ob Potassium Alum nun schädlich ist oder eben nicht. Ich dachte immer, das Internet wüsste auf alles eine Antwort. Aber hier werde ich wieder einmal eindeutig eines Besseren belehrt. 

Nichtsdestotrotz, das Thema „Aluminium in Deos“ hat mich dazu inspiriert, mir die Dokumentation „Die Akte Aluminium“ anzuschauen – das kam mir grad recht an diesem trüben, regnerischen Sonntag. Was ich hier wieder gehört und gesehen habe, sind wieder höchst verstörende und brisante Informationen. Einen Teil davon möchte ich hier teilen, weil es zum Thema passt:

Aluminium wird teilweise aus Bauxit gewonnen. Große Bauxit-Vorkommen befinden sich in den Tropen, unter anderem in Brasilien. Bauxit befindet sich nur wenige Meter unter der Erdoberfläche, aber ganze Regenwaldgebiete müssen umgegraben werden, um diesen Stoff zu gewinnen. Artenreicher Primärregenwald wird unwiederbringlich zerstört. Jedes Jahr werden Flächen in der Größe von 250 Fußballfeldern von einem großen Aluminiumkonzern abgeholzt. Zwar sind Wiederaufforstungsprogramme für Bauxitminen vorgeschrieben, aber dennoch ist trotz aller Bemühungen die ursprüngliche Artenvielfalt für immer verloren.

Der Wasserbedarf für das Herauswaschen der Aluminiumbestandteile ist gigantisch. Es entsteht hochgiftiges Schlammwasser, welches in ein Staubecken zurückgepumpt wird. Ein Überleben ist hier unmöglich. Mehr als die Hälfte des Bauxits ist unbrauchbar und wird als Rotschlamm ausgeschieden. Dieser Schlamm enthält viele Gifte wie Quecksilber, Arsen und Reste von Aluminium und hochätzende Natronlauge, welches für den Vorgang beigemischt wird. Am Ende landet dieser Rotschlamm auf einer Deponie, die doppelt so viel Platz benötigt wie die Raffinerie selber. Das bedeutet Abermillionen an Sondermüll, für den es keine Verwendung gibt und der dort vor sich „hingiftet“.

Menschen, die in der Gegend leben, können das Wasser aus dem Fluss nicht mehr trinken. Wenn sie darin baden, bekommen sie Ausschläge und Verätzungen. Dies sind Menschen, die zuvor jahrelang das Wasser aus diesem Fluss geholt haben. Fische verenden qualvoll, Fischer verlieren ihre Arbeit. Aber wen kümmert es? 

Was ich auch interessant fand – laut Untersuchungen kennt kein einziges Lebewesen eine sinnvolle Verwendung von Aluminium. Die werden schon wissen, warum sie damit nichts zu tun haben wollen, denke ich mir da. Nur wir Menschen mischen es in alle möglichen Produkte und haben vielfach Verwendung dafür.

Zurück in Europa werden enorme Mengen elektrischer Energie benötigt, um das Metall aus seiner Verbindung mit Sauerstoff zu lösen. Nur dort, wo die Konzerne Langzeitverträge über billigen Strom erhalten, ist die Produktion dauerhaft gesichert. Sonst wird lieber in die Entwicklungsländer abgewandert. Dort ist es billiger und wenn Menschen dort zu Schaden kommen, fällt das nicht so auf. So ist es doch in der heutigen Welt, oder? Hauptsache, uns geht’s gut!

Was gibt es sonst noch zum Aluminium zu sagen? Forschungen haben gezeigt, dass durch Aluminium als Hilfsstoff Nahrungsmittelallergien entstehen können. Mit Hilfe von Aluminium können Nahrungsmittelallergien sogar künstlich erzeugt werden! Das erklärt vielleicht, warum heutzutage gerade so viele Kinder an Allergien leiden. Aluminium ist im Impfstoff enthalten. Teilweise haben Mütter während der Schwangerschaft Mittel gegen Sodbrennen eingenommen, welche ebenfalls Aluminium enthalten. Ich habe natürlich keine Ahnung, wie viel das ausmacht. Ich denke, bei der einen Person passiert nichts, bei der nächsten aber führt es zu Problemen.

Erhöhte Aluminiumkonzentrationen im Gehirn stehen im Verdacht, die Alzheimerkrankheit zu begünstigen und sie viel früher ausbrechen zu lassen, als es sonst der Fall wäre, gäbe es keine Aluminiumkonzentration im Gehirn. Bei Brustkrebspatienten wurde festgestellt, dass sich oftmals gerade in dem Bereich, in dem Deos aufgetragen werden, Tumore bilden. 

Aluminium kommt auch in Sonnencremes vor, weil es die Verteilbarkeit auf der Haut begünstigt und den Lichtschutzfaktor erhöht. Auch in Medikamenten ist Aluminium teilweise enthalten, in Deos und Zahncremes.

Das klingt alles sehr unlustig. Es ist nicht 100%ig bewiesen, dass Aluminium Brustkrebs oder Alzheimer hervorruft. Aber unter Betrachtung all dieser Gesichtspunkte, den Umweltaspekten, der Naturzerstörung, der riesigen Mengen an Energie und Wasser, die verbraucht werden, um das Metall überhaupt zu gewinnen, den schlimmen Erfahrungen, die Menschen machen mussten, die mit aluminiumverseuchten Wasser und Rotschlamm in Berührung gekommen sind, der Zunahme von Allergien und Krebs und auch Alzheimer, erachte ich es für sinnvoll, möglichst auf Aluminium zu verzichten bzw. den Gebrauch einzuschränken. Zumindest dort, wo es möglich ist.

Und was mach ich jetzt mit dem Deostein? Ich weiß es nicht. Ich werde weiter recherchieren. 

Freitag, 11. Juli 2014

Über den Hunger in der Welt

Kürzlich habe ich mir das Buch „Wir lassen sie verhungern“ von Jean Ziegler aus der Bibliothek in Götzis ausgeliehen. Die Informationen zu diesem Eintrag habe ich zu einem größeren Teil aus diesem absolut lesenswerten Buch bezogen.

Blankes Entsetzen macht sich in mir breit, während ich darüber lese, wozu die menschliche Spezies fähig sein kann, wenn es um die Gier nach Macht und Profit geht.

Um ein Beispiel zu nennen:

Während des 2. Weltkriegs erarbeiteten Hitler und seine Schergen einen systematischen Hungerplan. Die Bevölkerung wurde eingeteilt in „Gut ernährte Bevölkerungsgruppen“, „Ungenügend ernährte Bevölkerungsgruppen“, „Hungernde Gruppen“ und zur „Vernichtung durch Hunger bestimmte Gruppen“. Letztere bekamen gar nichts mehr zu essen, wurden zu Tausenden in Gefängnisse eingepfercht, wo man sie dann systematisch verhungern ließ. Ihr Todeskampf dauerte mitunter drei Wochen. Die Zahl der Toten wurde in Lagerbüchern festgehalten und alles genau dokumentiert. Die Nazis waren penible Buchhalter.

Aber auch heute wird auf diese Weise systematisch Krieg geführt, z.B. in Syrien. „Wenn Rebellen trotz wochenlanger und sogar monatelanger Bombardierung nicht aufgeben, werden sie umzingelt und systematisch ausgehungert“, ist in diesem Bericht der Zeitung "Die Welt" zu lesen.

Nicht nur in Kriegsgebieten wird der Hunger als strategisches Mittel eingesetzt. „Lediglich zehn Unternehmen – darunter Aventis, Monsanto, Pioneer und Syngenta – beherrschen ein Drittel des Saatgutmarktes und 80% des Pestizidmarktes. Zehn weitere Konzerne, darunter Cargill, kontrollieren 57% des Absatzes der 30 größten Einzelhandelsketten der Welt. Sechs Unternehmen teilen 77% des Düngermarktes unter sich auf: Bayer, Syngenta, BASF, Cargill, DuPont, Monsanto“, schreibt Jean Ziegler in seinem Buch.

Wir können uns so ein Bild machen, welch konzentrierte Macht diese wenigen milliardenschweren Großkonzerne haben. Sie besitzen eine riesige Flotte an Transportmitteln, Lagerflächen, schweres Gerät zur industrialisierten Erzeugung von Nahrungsmitteln. Wollen sie den Preis für ein Nahrungsmittel in die Höhe treiben, ist es ihnen ein Leichtes, Grundnahrungsmittel zu rationieren und der Bevölkerung nicht mehr zugänglich zu machen. Ebenfalls verfolgen sie die Strategie, Nahrungsmittel günstig in ein Entwicklungsland zu exportieren und damit die lokalen Strukturen zu zerstören, nur um dann den Preis wieder zu erhöhen. Die CEO’s dieser multinationalen Agrarkonzerne sitzen in ihren luxuriösen Büros und dürfen jeden Tag darüber entscheiden, wer auf diesem Planeten lebt und wer stirbt. Diese Strategie erinnert mich an Hitlers perfiden Hungerplan.

Jene großen Konzerne mit ihren Lobbyisten wehren sich erfolgreich gegen das Menschenrecht auf Nahrung. Deren Strategie lautet: Nur durch den freien Markt kann dem Hungerproblem beigekommen werden. Durch mehr Produktivität soll der Hunger ausgerottet werden und nur sie allein könnten dies bewerkstelligen. Dumm nur, dass diese Konzernbosse nur den Profit im Auge haben. Es geht ihnen nicht darum, allen Menschen den Zugang zu Nahrung zu verschaffen. Den Hunger auszurotten ist nicht ihr Ansinnen. Stattdessen lautet ihre oberste Maxime, möglichst viel Profit zu machen, sich grenzenloses Vermögen zu verschaffen und damit die totale Kontrolle innezuhaben. Dies wird nicht durch eine gerechte Nahrungsmittelverteilung erreicht, sondern durch eine gezielte Politik mit dem Hunger, indem sie Menschen Nahrungsmittelreserven entziehen, um die Preise in die Höhe zu treiben. Und dadurch, kleine lokale Märkte (zB Geflügelzucht in Kamerun) zu zerstören, um auch diese Bevölkerungsgruppen dazu zu zwingen, in diesem Fall billiges Fleisch zu importieren und sie dadurch abhängig und gefügig zu machen. Dass Menschen dabei hungern und sterben, wird unter den Tisch gekehrt. Konzern-Mogule, die nur Dollarzeichen im Kopf haben und nie hungern mussten, lachen höchstens darüber. Die Fähigkeit zu Empathie und zu Mitgefühl ist ihnen in ihrem Wahn nach Macht größtenteils völlig abhanden gekommen.

Was können wir jedoch tun?

Wir können hellhörig sein. Wir leben in einer Demokratie und besitzen das Privileg, auf die Straße gehen zu dürfen, um gegen die Praktiken dieser Agrarriesen, wie Monsanto, Cargill & Co zu demonstrieren, ohne Angst haben zu müssen, deswegen verhaftet zu werden. Wir haben die Möglichkeit, uns gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen der USA und der EU mit dem Namen TTIP zu wehren. Auf die Politiker können wir uns nicht verlassen, leider beweisen und besitzen diese wenig Macht und wenig Rückgrat gegenüber den Konzernriesen.

Wir können dafür sorgen, dass unsere Herzen nicht erkalten. 7 Milliarden Menschen leben derzeit auf diesem Planeten, die Zahl der Hungernden liegt bei 842 Millionen Menschen. Jeder Einzelne davon ist einer zu viel. Würde die Nahrung dieser Welt gerecht verteilt werden, könnten sie alle gerettet werden. Institutionen, wie Caritas, Welthungerhilfe, Care Österreich oder Ärzte ohne Grenzen sammeln Geld und bringen es dorthin, wo die Not am Größten ist. Hin und wieder einen Betrag zu spenden, tut den meisten von uns nicht weh.

Und wir können die lokale Wirtschaft fördern, indem wir Produkte aus der Region kaufen. Dieses Geld bleibt in der Region und kommt nicht irgendwelchen Großkonzernen zugute. Wir sollten zusammenhalten und stark sein, um uns wirksam gegen die Machenschaften dieser großen Kriminelle zu verteidigen, ganz nach dem Motto:

„Wenn die Wenigen weniger haben, haben die Meisten mehr“.

Jeder Einzelne kann seinen Beitrag leisten. Lasst uns dies tun. 

Sonntag, 29. Juni 2014

Gedanken zum Thema "Geschwindigkeit"


Ist es nicht komisch,

… dass wir zwar immer größere Autos und breitere Straßen haben, mit denen wir schneller von A nach B gelangen, aber wir oft trotzdem immer mehr Zeit für Mobilität aufwenden, da die Distanzen immer größer werden?

… dass wir heutzutage per Knopfdruck sämtliche Informationen erhalten, wir aber trotzdem immer länger vor dem Bildschirm sitzen?

… dass es immer mehr Auswahl beim Einkaufen gibt, es uns aber trotzdem – und gerade deswegen – immer schwerer fällt, eine Entscheidung zu treffen?

… dass wir bei all dem Wohlstand, den wir haben, so beschäftigt und abgelenkt sind, dass uns die Zeit und die Fähigkeit (Muße) zum eigenständigen und kritischen Denken, sowie zum Stillsein und Nichtstun abhanden kommt?  

… dass wir uns immer mehr gehetzt fühlen in einer Umgebung, die alles immer zur Verfügung stellt?


Es ist doch paradox: Wenn z.B. Transportmittel immer schneller werden, müsste doch im Umkehrschluss mehr Zeit für Muße und zum Genießen übrigbleiben, wir müssten entspannter und zufriedener sein. Wenn uns immer mehr Informationen innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung stehen, müssten wir doch auch immer klüger werden und das auf relativ einfache und bequeme Weise.

Was passiert wirklich, wenn die Geschwindigkeit stetig erhöht wird?

Meines Erachtens geht mit der Erhöhung des Tempos immer auch eine Erhöhung der Anforderungen und Bedürfnisse einher. In dieser Welt des „ALLES IMMER“ wird es laut meiner Empfindung zusehends schwieriger, mit den kleinen Dingen zufrieden zu sein und bescheiden zu bleiben. Auch das Stillwerden wird schwer, Langeweile wird kaum mehr ausgehalten. Ständig hat man das Gefühl, etwas tun zu müssen und fühlt sich gehetzt. Und es reicht trotzdem nie.

Anstatt dass man sich nach der rasanten Erledigung einer Aufgabe entspannt zurücklehnt, stürzt man sich schon auf das nächste Abenteuer. Ganz nach dem Motto: Wer stehenbleibt, verliert.

Wo die Geschwindigkeit erhöht wird, entsteht die Gier nach „mehr“. Zudem steigt der gesellschaftliche Druck – um angesehen zu sein, sollte man möglichst jeden Trend mitmachen. Begehrt sind die Menschen, die viel zu berichten haben, die Abenteuerlustigen, die möglichst viel erleben, worüber sie erzählen können. Oder Personen, die möglichst viel besitzen, was sie dann begeistert vorzeigen können.

Auf Geburtstagsfeiern, Firmenfesten, Klassentreffen, Verwandtschaftstreffen und sonstigen sozialen Anlässen geht es oft um Selbstdarstellung. Ich fühle mich dann schuldig, weil ich so ein „langweiliges“ Leben führe. Wenn man keine Kinder, ja nicht mal über einen festen Freund verfügt und auch über keine ausgiebigen Reisen berichten kann und auch keine neuen Schuhe oder ein neues Haus gekauft hat, ist man schon ziemlich out und gilt als ziemlich langweilig, vielleicht sogar als depressiv oder sozial gestört.

Meiner Meinung nach wird in dieser schnelllebigen Zeit verlernt, zur Ruhe zu kommen, still zu sein, sich treiben zu lassen, sich zu langweilen, zu beobachten und nachzudenken. Auch die Kreativität wird nicht gefördert, weil einfach alles vorgegeben ist und die Motivation zur Kreativität, zum Selbstdenken und Handeln dadurch nicht gefördert wird.

Ohne Kopfhörer, TV, Computer, Telefon hält man es oft kaum mehr aus.  Durch die hohe Geschwindigkeit schleicht sich sehr schnell das Gefühl ein, etwas Wichtiges zu versäumen, wenn diese „Instrumente“ nicht zur Hand sind. Das kann ganz schön Angst und Stress machen. Auch die Fähigkeit, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und dranzubleiben, verkümmert zusehends. Wir leiden zwar alle unter den ständigen Unterbrechungen, ganz besonders in der Arbeitswelt, tun uns aber trotzdem schwer, uns abzugrenzen. Ich vermute, dies geschieht aus der Angst, durch diese Maßnahme als unkollegial zu gelten, als zu wenig leistungsfähig dazustehen und auch aus der Sorge darüber, etwas Wichtiges zu verpassen und dadurch auch Fehler zu riskieren.

Aber ist unser Organismus darauf ausgelegt, ständig auf Empfang zu sein? Halten wir diesen Wirbel auf Dauer überhaupt aus? Die Erfahrungen im Leben zeigen, dass wir irgendwann kapitulieren und es einfach nicht mehr geht. Bei mir kommt dieser Moment relativ rasch, was ich als gute Burnout-Prävention interpretiere. Ich sitze dann da und die Tränen rinnen mir übers Gesicht. Ich weine dann den ganzen Druck aus mir raus, ein für mich unkontrollierbarer Vorgang, der dann meistens stundenlang dauert. Erschöpft gehe ich dann ins Bett und am nächsten Tag ist der Spuk normalerweise wieder vorbei. Zurück bleibt Nachdenklichkeit und der Wunsch nach Veränderung und weniger Perfektionismus und einer Reduzierung der Geschwindigkeit in meinem täglichen Tun.

Das Leben ist wie eine Waagschale. Wenn auf der einen Seite Geschwindigkeit, Perfektionismus, Konsum, Multitasking, die Angst davor, was andere denken, herausgenommen wird, wiegt die andere Waagschale, gefüllt mit Gelassenheit, Lebenszufriedenheit, Ruhe und Achtsamkeit irgendwann immer schwerer. Und das kann uns nur gut tun. 

Einfach ist es aufgrund unserer Konditionierung nicht. Aber es lohnt sich, daran zu arbeiten. 

Samstag, 14. Juni 2014

Bericht vom 6. Forum "Konsumentensolidarität Jetzt" am 13. Juni 2014

Am 13. Juni 2014 konnten wir wieder viele interessierte und engagierte Gäste bei unserem 6. Forum „Konsumentensolidarität Jetzt“ im Freihof in Sulz begrüßen. Mich freut es besonders, dass es immer wieder zu zahlreichen angeregten Diskussionen und einem regen Austausch von Informationen zwischen allen Beteiligten kommt. Das zeigt mir, dass sich die Menschen bei unseren Veranstaltungen wohlfühlen. Sie sprechen lebhaft miteinander und gehen am Ende des Abends mit neuen Erkenntnissen und einem geschärften Bewusstsein für Umweltthemen heim. Diese Dynamik an solchen Abenden und die herzliche Atmosphäre faszinieren mich immer wieder.

Lasst mich euch berichten, was der gestrige Abend alles zu bieten hatte:

Nach einer kurzen Einführung durch Hubert standen drei sehr interessante Vorträge auf dem Programm. Den Anfang machte Anton Walser von der Metzgerei Walser/Meiningen. Er schilderte zu Beginn seines Vortrags die Entstehungsgeschichte seiner Metzgerei. Die Metzgerei Walser führt eine hauseigene Schlachtung durch, was soviel bedeutet, wie: Die Tiere werden von regionalen Bauern immer montags lebend angeliefert und dann vor Ort – ohne unnötigen Stress für die Tiere – geschlachtet. Bei Walser wird der Direktkontakt zu den Bauern großgeschrieben und Tiere, die nicht anständig gehalten wurden, werden nicht angenommen. Somit wird auch ein Stück weit Erziehungsarbeit bei den Bauern geleistet. Anton Walser scheute auch nicht davor zurück, uns den Schlachtungsprozess zu schildern. Meines Erachtens ist es wichtig, darüber zu reden und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Fleisch nun einmal von vormals lebenden Tieren stammt und diese zuerst getötet werden müssen, damit wir die besten Stücke davon verzehren können. Der Rest wird unter anderem zu Wurst verarbeitet. Die Namen der Bauern, welche die Tiere liefern, werden pro Woche auf der Internetseite der Metzgerei Walser veröffentlicht. Sie stammen alle aus Vorarlberg. Dies sorgt für Transparenz, Ehrlichkeit und einen verantwortungsbewussten Umgang mit diesem sensiblen Thema. Das verarbeitete Fleisch wird in den Läden der Metzgerei Walser verkauft, 98% der Ware stammt aus Vorarlberg, nur die restlichen 2% stammen zur Abdeckung für Spitzenzeiten aus Zukäufen von anderen Bundesländern (Oberösterreich). 

Als zweiten Vortrag lauschten wir gebannt den Schilderungen von Marion Reichart, Geschäftsführerin der Firma Uni Sapon.  Bei Uni Sapon handelt es sich um ein Familienunternehmen, welches seit 1984 auf dem Gebiet der Entwicklung und Erzeugung umweltschonender Reinigungsmittel tätig ist. Auch Marion schilderte die Entstehungsgeschichte ihres Unternehmens und berichtete anschaulich von der Pionierarbeit, die ihr Vater, Franz Reichart, im Keller des Einfamilienhauses auf diesem Gebiet leistete. Er entwickelte bereits 1980 eine Schmierseife aus reinen Naturstoffen und fuhr anfangs von Haus zu Haus, um sein Produkt unter die Menschen zu bringen und zu verkaufen.  Später folgten weitere Produkte, welche jetzt unter dem Namen „Uni Sapon“ an zahlreichen Orten erhältlich sind. Uni Sapon unterhält ein „gestrafftes Produktsortiment“, was bedeutet, dass es nur 4 Reinigungsmittel  als Konzentrat gibt, welche in Kombination mit nur wenigen Zusatzstoffen vom Kunden selber zu dem entsprechenden Produkt gemischt werden. Die Anleitungen dafür gibt es auf den Sprühflaschen zu finden, die ebenfalls von Uni Sapon verkauft werden. Weiters verfolgt die Firma ein „Null-Müll-Konzept“. Es wird nur 1x vom Kunden ein Fläschchen mit dem Konzentrat erworben. Es gibt in Vorarlberg zahlreiche Nachfüllstationen, bei denen der Kunde das Konzentrat nachfüllen kann, sobald die Flasche leer ist – ohne dass er damit einen neuen Behälter kaufen müsste. Die Firmen, die als Abfüllstationen dienen, erhalten die Konzentrate in Kanistern, welche ebenfalls an Uni Sapon zurückgegeben und wiederverwendet werden. Ich bin von solchen Konzepten begeistert und hoffe, dass diese auch in anderen Bereichen Schule machen.

Als dritte Vortragende konnten wir Isolde Adamek und Evi Kettner von der neu gegründeten Firma Windlkind gewinnen. Wer Isolde kennt, weiß bereits: bei diesen Vorträgen gibt es immer viel zu schmunzeln! Sie ist eine Frau, die sich mit Leib und Seele für die Rettung unseres Planeten und den Schutz unserer Umwelt einsetzt! In ihrem neuesten Projekt überzeugt sie – zusammen mit Evi – Menschen davon, anstatt auf Einwegwindeln auf Stoffwindeln zu setzen. Diese sind immer zur Hand und man erspart sich den regelmäßigen Gang zum Supermarkt, um sich wieder mit Windeln einzudecken. Für Isolde und Evi gehören Stoffwindeln sehr wesentlich zur Beziehungspflege mit dem Kind. Es handelt sich um ein Zeitgeschenk und schult die Achtsamkeit im Umgang mit dem Baby. Wenn man bedenkt, dass Plastikwindeln-Hersteller damit werben, dass ihre Windeln 12 Stunden trocken halten, heißt dies im Umkehrschluss, dass diese Kinder mitunter auch 12 Stunden lang nicht mehr gewickelt werden und dies zu Berührungsarmut führt. Untersuchungen haben ergeben, dass Kinder, die behutsam mit Stoffwindeln gewickelt werden, viel Berührung und Achtsamkeit erfahren, mehr zur Ruhe kommen und eine bessere Grundstabilität entwickeln, die für die weitere Entwicklung immens wichtig ist. Dazu kommt der Umweltgedanke – eine Wegwerfwindel benötigt 200 – 500 Jahre zum Verrotten, ein einziges Wickelkind produziert über eine Tonne Windelmüll. Plastikwindeln gelten als eines der größten Umweltprobleme im Bereich des Hausmülls (entnommen von www.windklkind.at). Isolde erzählt mit einem Augenzwinkern, dass das Waschen, Aufhängen und Falten der Windeln nur ca. 20 Minuten täglich benötigt und eine Art Meditation sei, ähnlich wie Qigong. Zum Schluss gab es dann noch einen Appell an alle Männer: Stoffwindeln aufhängen sei sexy und mache den Frauen Appetit auf mehr …  hmm, ich kann mir gut vorstellen, dass da etwas dran ist :-).

Im Anschluss an diese höchst interessante und lebendige Vortragsrunde gab es die Gelegenheit, sowohl mit den Vortragenden, als auch mit weiteren Firmen (Martinshof/Weltladen) und auch mit den Gardenern/Gärtnern in Kontakt zu treten. Bei den Gardenern handelt es sich um Teams, die jeweils einen Konsumbereich betreuen und ein spezielles Augenmerk auf diesen Bereich legen. So waren Eugen Galehr vom Bereich „Verkehr“, Hanni Lins vom Bereich „Gemüse“, sowie Harry und ich für den „Elektronikbereich“ anwesend, während Barbara unseren Vereinstisch mit dem Infomaterial betreute. Es folgte ein reger und lebhafter Informationsaustausch zwischen allen Anwesenden.

Und – zu guter Letzt – durften alle Vereinsmitglieder die schicken Vereinstaschen von consolnow in Empfang nehmen. Die Taschen wurden von Isolde und ihren Kolleginnen von Sörecycling für unseren Verein entworfen, genäht und bedruckt. Aus alten Jeans gefertigt sind praktische, wunderbare und freche Unikate entstanden, die definitiv als Hingucker dienen. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Isolde und ihren Näherinnen für die tollen Kreationen! 

Mit einem kurzen Rückblick auf die vergangenen Vereinsveranstaltungen seit dem letzten Forum und einem Ausblick auf kommende Termine wurde der offizielle Teil des Abends beschlossen. Gemeinsam ließen wir den Abend in fröhlicher Atmosphäre ausklingen. 

Donnerstag, 29. Mai 2014

March against Monsanto

Letzten Samstagnachmittag in Bregenz:

Ca. 3000 Menschen nehmen an einer Demonstration gegen Gentechnik (Stichwort „Monsanto“), Fracking und das Freihandelsabkommen TTIP teil, welches zwischen der EU und den USA im Geheimen ausverhandelt wird. Die Teilnehmer setzen sich aus allen Alters- und Bevölkerungsschichten zusammen – Mütter mit Kindern sind dabei, aber auch viele Jugendliche und auch zahlreiche Senioren beteiligen sich am Protestmarsch. Sehr viele haben selbstgebastelte Transparente und Plakate dabei, auf denen Slogans zu lesen sind, wie:

- Stopp Monsanto – das Leben wählen!
- Monsanto – Eat your own shit!
- Wir wollen weder Gentech-Fraß, noch Fracking-Gas!
- Monsanto ist der sichere Tod in unser täglich Brot!
- Wo Konzerne profitieren – Menschen verlieren!

Alle Anwesenden verbindet das Engagement für ein Leben ohne Gentechnik und die Bereitschaft, dafür zu kämpfen und gemeinsam auf die Straße zu gehen.

Es war ein kraftvolles und lebendiges Bild, welches sich mir am Samstag in Bregenz geboten hat! Auch ich war – wie viele andere auch – überwältigt von der hohen Teilnehmerzahl und dem breiten Widerstand gegen Konzernriesen wie Monsanto & Co.

Folgende Informationen zu Monsanto konnte ich in Erfahrung bringen:

Bei Monsanto handelt es sich um einen amerikanischen Konzernriesen, welcher Saatgut und Herbizide produziert und unter die Menschen bringt. Zu den bekanntesten Produkten zählen gentechnisch veränderter Mais und Breitbandherbizide mit dem Wirkstoff Glyphosat. Letztere werden unter dem Namen „Roundup“ vertrieben. Monsanto hat dazu Mais, Soja, Baumwolle etc. so verändert, dass ihnen das Unkrautvernichtungsmittel „Roundup“ nichts mehr ausmacht. Inzwischen beklagen sich immer häufiger Farmer über besonders resistente Unkräuter auf den Feldern. Zudem kann Glyphosat bereits in geringen Mengen innerhalb 24 Stunden zum Zelltod führen. Glyphosat führt weiters zu Missbildungen und Fehlgeburten, zu Herzinfarkt und Alzheimer, zu Unfruchtbarkeit und Krebs – um nur einiges zu nennen. Es zerstört das Bodenleben, die Krankheitsabwehr von Pflanzen wird gestört, die für die Durchlüftung des Bodens unverzichtbaren Regenwürmer meiden mit Glyphosat belastete Böden. Auch das rapide Bienensterben ist zu einem hohen Maß auf den Einsatz von Glyphosat zurückzuführen (Informationsquelle: http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/glyphosat-auswirkungen).

In Europa ist der Widerstand gegen die Gentechnik sehr stark, Monsanto drängt aber mit aller Macht auf den europäischen Markt. Wird das Freihandelsabkommen in der geplanten Form tatsächlich abgeschlossen, würde dies Unternehmen wie Monsanto Tür und Tor öffnen für den Markt in Europa. Großen US-Konzernen stehen unsere hohen Lebensmittelstandards im Weg. Dank dem Freihandelsabkommen TTIP dürften diese US-Konzerne mit Hilfe privater Schiedsgerichte auch aufgrund in Zukunft ausfallender Profite Staaten verklagen.

Für mich würde so ein Abkommen einem Sieg der Wirtschaft über das Leben gleichkommen! Hauptsache der Rubel rollt in die Kassen dieser Wirtschaftsbarone, dass Menschen und Tiere krank werden und sterben, ist nebensächlich! Bei so viel Kurzsichtigkeit und Gier dreht sich mir der Magen um!

Deswegen ist es jetzt über alles wichtig, diesem Treiben nicht tatenlos zuzusehen. Wenn wir gegen mit Chlor desinfiziertes Hühnerfleisch, gentechnisch verändertes Saatgut, Fracking – um nur einiges zu nennen - sind, sollten wir uns dringend  mit allen friedlichen Möglichkeiten, die sich uns bieten, zur Wehr setzen!

Link zur Petition von Greenpeace: